Besonderes in Holzhausen



Die Kirche in Holzhausen ist 125 Jahre alt.
(von K-H Trieschmann)

Auf dem Platz in der Dorfmitte, wo heute die Holzhäuser Kirche steht, befand sich bereits eine wesentlich
kleinere Vorgängerkirche, die sogenannte Bonifatiuskirche.
Über dem Haupteingang dieser Kirche war ein großer Sandstein eingebaut in den folgende Inschrift eingemeißelt war:

ANO DNI 750 BAWET S: BONIFACIUS
(Im Jahr des Herrn 750 erbaut St. Bonifatius).
Danach wäre die Kirche im Jahre 750, als Winfried Bonifatius die „Donareiche” bei Geismar fällte, entstanden.
Der Stein wurde in den Fußboden der neuen Kirche übernommen und bei der letzten Renovierung 2012 gehoben
und in die Wand links vom Altar eingebaut.

Diese Kirche wurde im Jahr 1890 abgebrochen, da sie durch das Aufblühen der Eisenindustrie und die dadurch steigende
Bevölkerungszahl für die Gemeinde viel zu klein geworden war. Der damalige Pfarrer Lohrmann und der Kirchenvorstand
mit Philipp Noell als treibende Kraft hatten schon seit Jahren in schwierigen Verhandlungen mit der Landeskirche
und der politischen Gemeinde die Voraussetzungen mit Planung und Finanzierung geschaffen.

Während des Kirchenneubaues fand der Gottesdienst in der Schule statt. Es handelte sich um das Gebäude,
das bei dem späteren Schulneubau in den Besitz der Familie Gumbel (später Fritz Berg) überging.
Der Schulsaal erwies sich allerdings an Festtagen für die Gottesdienste als zu klein. Für die drei Kirchenglocken,
auf deren Dienst auch während der Bauzeit nicht verzichtet werden sollte, errichtete man auf der Ostseite des Kirchhofs
zwischen den Hausgrundstücken Marx und Möller einen Glockenstuhl, der ungefähr vier Meter hoch war.

Der Abriss des alten Gotteshauses erwies sich als äußerst schwierig, da der Mörtel zwischen den Basaltsteinen eine enorme
Festigkeit aufwies, so dass die Mauerwände unterhöhlt werden mussten um sie dann mit Pferden nieder zu reißen.
Bei den Ausschachtungsarbeiten kamen viele Menschenknochen und Schädel zum Vorschein. Diese Gebeine aus Bestattungen
in längst vergangener Zeit wurden später hinter der Kirche wieder der Erde äbergeben.

Dann begann im Jahr 1890 der Neubau der heutigen Holzhäuser Kirche. Der Kirchhof verwandelte sich in eine große Baustelle.
Riesige Mengen von Sandsteinen wurden angefahren für Fußbodenbelag , Pfeiler, und für Tür- und Fensterrahmen.
Dazu kamen Unmengen von Basaltsteinen für das Mauerwerk. Zur Grundsteinlegung wurde eine Urkunde in den Sandstein über
dem Turmeingang eingelassen. Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Maurer, Zimmerleute und Dachdecker bei der Errichtung
des 35 Meter hohen Turmes. Nach einjähriger schwerer und intensiver Bauarbeit war im Jahr 1891 der Rohbau fertiggestellt.

Bedauerlicherweise setzte jetzt der Weiterbau für eine längere Zeit aus, da für den Innenausbau und die Innenausstattung
die finanziellen Mittel fehlten, so dass erst im Jahr 1892 Fenster und Türen und das Kirchengestühl von Schreinermeister
Heinrich Edeling und seinen Gesellen eingebaut werden konnten. Die Malerarbeiten hatte Heinrich Steuber übernommen.

Die Orgel der alten Kirche, die von Orgelbauer Georg Wilhelm aus Kassel gebaut war, erhielt eine Erweiterung des Pfeifenbestandes
und fand jetzt im Gegensatz zur Bonifatiuskirche ihren Platz auf der Westseite vor dem Turm.
Die Kirchenheizung bestand aus zwei Kohleöfen, die von den Warsteiner Eisenwerken gestiftet wurden.

Nachdem im Spätsommer 1892 die Kirchhofsmauer erneuert und mit einem Eisengeländer versehen war, kam am
18. September 1892
der große Tag der Einweihung. In der überfüllten Kirche wurde das Gotteshaus mit großer Dankbarkeit an Gott
und die fleißigen Handwerker seiner Bestimmung übergeben.

Inzwischen hat sich in den folgenden 125 Jahren bis zum heutigen Tag einiges in Kirche und Gemeinde verändert
und weiterentwickelt, zum Beispiel:

Die Pfarrer seit 1892:

1880 - 1909 Lohrmann, Karl Georg (hat 1892 die neu Kirche eingeweiht)
1908 - 1909 van Eiff, Richard (Pfarrgehilfe)
1909 - 1913 Schwarzenberg, Georg Friedrich Karl
1913 - 1924 Reimann, Bernhard Karl Albert Friedrich
1924 - 1927 Stolzenbach, Wilhelm
1927 - 1934 Hofmann, Adolf Karl Melchior
1936 - 1941 Dippel, Helmut Eckhard
1943 - 1944 Eckhardt, Kurt
1947 - 1961 Weißhaar, Rudolf
1961 - 1968 Siebert, Willi
1968 - 1971 Hupfeld, Karl
1971 - 1972 Weimann, Hans Ludwig
1972 - 1978 Müller, Wilhelm
1979 - 1987 Mittermaier, Wolfgang
1988 - 1991 Becker, Michael
1992 - 1993) Kany, Alfred (Vakanzvertretung)
1993 - 1998 Hoos-Vermeil, Uwe K.
1999 - 2002 Neumann, Svenja (erste Pfarrerin in Holzhausen)
2002 - 2003 Schneider, Heike (Vakanzvertetung)
2003 - 2004 Zippert, Veronika (erste Pfarrerin in der neu errichteten
halben Pfarrstelle Holzhausen mit Mörshausen und Relbehausen)
2004 - 2005 Kühneweg, Gundula (Vakanzvertretung)
2005 - 2008 Busch, Stefanie
2008 - 2009 Schneider, Heike (Vakanzvertretung)
           2009 wird die halbe Pfarrstelle wieder aufgelöst. Holzhausen kommt zum Kirchspiel
Caßdorf, Relbehausen geht nach Remsfeld, Mörshausen nach Sipperhausen.
      ab 2009 Schneider, Heike

Renovierungen:

1937 fand die erste gründliche Innenrenovierung statt. (unter Pfr. Karl Hoffmann)
1973 die zweite Renovierung mit der rot-grünen Decke. (unter Pfr. Wilhelm Müller)
2012 war die bisher letzte Innenrenovierung unter dem Vorsitz von Pfrn. Heike Schneider
         und der Bauleitung von Architekt Klaus Mienert. Die alte Farbgebung der Decke blieb erhalten.
         Die erste Kirchenbank rechts und links vor dem Altarraum wurde entfernt,
         um mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu bekommen.

Turm und Glocken:

Der Kirchturm ist 35 Meter hoch. Er wurde 1968 neu mit Kupferblech verkleidet.
In ihm hingen bis zum 1. Weltkrieg drei Bronzeglocken. Zwei davon wurden 1917 zu Kriegszwecken eingeschmolzen.
1923 schaffte die Gemeinde drei neue Stahlglocken an.
Die dritte alte Bronzeglocke wurde in unser Nachbardorf Mörshausen verkauft, wo sie heute noch läutet.
Unsere jetzigen Glocken tragen die Inschrift:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Sie werden programmierbar elektrisch geläutet und können neuerdings auch per Funk (z.B. vom Friedhof aus) geschaltet werden.

Orgel:

Eine Vorgängerorgel stammte noch aus der alten Bonifatius-Kirche.
Sie wurde zerlegt und 1892 wieder in die jetzige Kirche eingebaut.
Erst 90 Jahre später, im Jahre 1980 konnte unter dem damaligen Pfr. Müller
eine neue Orgel für 160.000 DM angeschafft werden.
Orgelbaumeister Dieter Noeske nahm das alte Instrument in Zahlung und baute die neue zwei-manualige Orgel
mit 15 Registern und fast 1000 Pfeifen.
Drei weitere Register hatten noch im Gehäuse Platz. Sie wurden im Herbst 2011 eingebaut.
Mit einer Generalreinigung entstanden Kosten von 36.000,- Euro, davon waren 20.000,- Euro Spenden.

Gefallenen-Gedenken:

Im Kirchenschiff oben an der Wand befinden sich zwei Gedenktafeln. Links eine Holztafel mit den Namen der Kriegsteilnehmer
von Holzhausen und Relbehausen aus dem Befreiungskrieg 1814, und rechts eine im Holzhäuser Eisenwerk gegossene Tafel
mit den Namen der Gefallenen aus dem Frankreichfeldzug 1870 / 71.
Vor der Kirche steht ein Ehrenmal aus Sandstein für die Toten des 1. Weltkrieges, und in der Kirche
vorne links (beim Bonifatius Stein) erinnert ein Gedenkpult mit einem Namensbuch
an die 48 Gefallenen u. Vermissten des 2. Weltkrieges .

Taufbaum:

Rechts von der Kanzel steht unser Taufbaum, an dem im Taufgottesdienst die Bilder der Täuflinge angebracht werden.
Wenn genügend Äpfel am Baum hängen, werden in einem Familiengottesdienst zur Tauferinnerung
die „Früchte” geerntet.

Altarfenster:

Im Jahre 1990, kurz vor dem 100. Geburtstag unserer Kirche, konnten wir den Wunsch nach einem künstlerisch gestalteten Fenster
verwirklichen. Seinerzeit gab es im Kirchenvorstand heftige Diskussionen darüber, ob es richtig sei,
eine abstrakte Darstellung zu wählen, wie es der Künstler vorschlug.
Im Nachhinein sind wir froh, dass wir uns nicht für etwas Gegenständliches entschieden haben,
an dem man sich sehr schnell satt sieht. Der Glasmaler und Künstler Jakobus Klonk aus Wetter bei Marburg,
hat aus mundgeblasenem Antikglas dieses schöne Fensterbild mit überwiegend hellen, freundlichen und fröhlichen Farben geschaffen.
Unter dem Bild steht der Spruch aus Johannes 3 Vers 16:
„ALSO HAT GOTT DIE WELT GELIEBT.”

Baumaßnahmen:

Im Zuge der ersten Renovierung wurden die Kohleöfen durch eine Elektro-Fußheizung ersetzt.
1968 bekam die Kirchturmspitze eine neue Kupferblechverkleidung.
Später wurde die Elektroheizung durch eine Umluft-Ölheizung ergänzt.
Dazu musste an der Südseite der Kirche ein Anbau erstellt werden, der den Heizkessel und die Öltanks beherbergte.
Im Jahr 2005 wurde es dann möglich eine hochmoderne elektronisch gesteuerte Gasheizung mit einem Brennwertkessel zu installieren.
Der nun im Anbau freigewordene Raum bot uns die Möglichkeit im Jahr 2006 einen Büroraum, eine kleine Teeküche
und eine Toilette einzubauen.
Im gleichen Jahr entstand auf der Turmseite unter der Empore ein 40 Quadratmeter großer Gemeinderaum, der mit einer Glaswand
zum Kirchenraum hin abgetrennt ist.
Um die erforderliche Raumgröße zu erhalten, wurden die letzten beiden Bankreihen rechts und links im Kirchenschiff entfernt.

Verschiedenes:

Die Kirche wird in der dunklen Jahreszeit abends angestrahlt, finanziert durch unseren Verein:
„Handreichung e.V.” - zur Unterstützung des kirchlichen Lebens in Holzhausen.

Ein beleuchteter Schaukasten mit aktuellen Informationen hängt am eisernen Kirchenzaun,
der noch aus der Zeit des Kirchenbaues stammt.

Wir haben auch diese Internet Seite (die Sie gerade lesen) mit unserem Gemeindebrief und weiteren Informationen
über Kirche und Gemeindeleben von Holzhausen.
(NB.: Vieles, von dem hier beschriebenen, können Sie sich in der Rubrik „Unsere Kirche” ansehen.)
Den 125-sten Kirchengeburtstag haben wir am:
Sonntag, den 10. September um 10:00 Uhr
gemeinsam mit einem besonderen Gottesdienst und anschließendem Beisammensein mit Essen und Getränken gefeiert.
Dazu war das ganze Kirchspiel eingeladen.

Anlässlich des Kirchenjubiläums hat die Kirchengemeinde auch eine kleine Festschrift herausgegeben.

Weitere Informationen dazu
im Pfarramt
oder bei
Karl-Heinz Trieschmann
Lohmühlenweg 2
34639 Homberg-Holzhausen
Tel: 05681/2794.

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